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Hydrologische Grundlagen - Schnittstelle Gefahrenkarte / Hochwasserschutzprojekte am Beispiel der Gemeinde Meilen

Die Gefahrenkarten zeigen, wo Hochwasserschutzdefizite vorliegen. Die Gemeinden machen sich nun daran, mit gezielten Massnahmen diese Defizite zu beseitigen. Oft beginnen an der Schnittstelle von der Gefahrenkarte zu konkreten Hochwasserschutzprojekten die Diskussionen.

Unschärfen der Gefahrenkarten (GK)
Die Grösse seltener Hochwasserabflüsse können nicht berechnet werden, sondern werden abgeschätzt. Die zur Verfügung stehenden Verfahren ergeben dabei unterschiedliche Resultate, überschätzen i.d.R. die Realität. Dies wird toleriert, weil das Risiko möglichst nicht unterschätzt werden soll. Auch bei der Ermittlung der Abflusskapazität eines Durchlasses oder eines Gerinnes müssen die Fachkräfte Annahmen auf der „sicheren“ Seite treffen. Diese Unsicherheiten gehen ebenfalls in die GK ein und prägen dessen Aussehen. Was kann beispielsweise eine Gemeinde tun, um diese Unsicherheiten einzugrenzen?

Historische Recherche zur Plausibilisierung der HQx
Aufgrund der Unsicherheiten liess die Gemeinde Meilen die HQx der GK überprüfen. Am Dorfbach Meilen steht seit 2003 eine Abflussmessstelle des Kantons ZH. Die Datenreihe ist aber für eine statistische Herleitung der HQx zu kurz. Um Informationen über historische Hochwasser zu sammeln und damit den überblickbaren Zeitraum zu erweitern, wurden Archive durchsucht, Akten ausgewertet und Anwohner und Gewährspersonen befragt. Das Resultat war eine lückenlose Hochwas­sergeschichte des Dorfbachs bis zu seinem Ausbau zurück (Abb.). Die Grösse von Hochwassern konnte eingegrenzt und mit den seit 2004 vorhandenen Abflussmessungen verglichen werden. In den letzten 70 Jahren traten drei grosse Hochwasser im Bereich von 9 - 12 m3/s auf (HW1953, HW1972, HW2008).

Historische Hochwasser Dorfbach Meilen
Historische Hochwasser am Dorfbach Meilen seit 1940

In den vergangenen 70 Jahren erreichte der Dorfbach den für einen Einstau des Durchlasses Bruech-/Burgstrasse not­wendigen Abfluss von 16 m3/s nie. Ein Hochwasserabfluss mit einer Wiederkehr­periode von 70 Jahren ist daher kleiner als 16 m3/s. Diese Beobachtungen standen im Widerspruch zu den HQx der GK mit einem HQ30 von 15 m3/s und einem HQ100 von 22 m3/s. Aufgrund dieser neuen Einschätzung wurde das HQ30 auf 10 – 12 m3/s und das HQ100 auf 14 – 16 m3/s festgelegt. Ein millionenteurer Neubau einer Bacheindolung in Meilen erübrigte sich damit.

Gute Planungsgrundlagen sind Gold wert...
Das Aufzeigen von Risiken ist die Stärke von GK. Die Reduzierung von Risiken kann aber kostenintensive, politisch schwer umsetzbare Schutzmassnahmen nach sich ziehen. Gute Grundlagen sind daher buchstäblich Gold wert, weil sie zu einer Versachlichung der Diskussion und zu einem optimalen Einsatz der Gemeindefinanzen führen. Das Beispiel Meilen zeigt, wie durch historische Untersuchungen die hydrologischen Werte überprüft werden können.

 

 

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